ich liebe Ideen!
Ideen sind dynamisch. Sie entstehen, tauchen auf, waren vorher noch nicht da. Häufig verändern sie sich bzw. entwickeln sich weiter. Eng verbunden mit den Ideengeber:innen sind sie von Anfang an.
Ideen zu entwickeln, aus dem Nichts heraus etwas entstehen zu lassen, gemeinsam mit Menschen verschiedenen Alters, für Orte und Institutionen, das ist der Kern meiner Arbeit. Diese Arbeit beginnt vor der eigentlichen Idee. Ich schaffe Situationen, in denen es wahrscheinlicher wird, dass Ideen entstehen können. Arbeiten aktueller Kunst sind dabei wichtige Bezugskontexte und Inspiration in diesen Situationen und für mich und meinen Kopf. Das Finden und Stellen von Fragen gehört auch unbedingt hinzu. Fragen führen idealerweise zu weiteren Fragen. So kristallisiert sich Stück für Stück eine Idee heraus.
Menschen jeden Alters bei der Entwicklung von Ideen zu begleiten und zu beraten, sie beim Finden ihrer eigenen Zugänge und dem Vertrauen darin, dass das möglich zu unterstützen, das ist mir ein Anliegen und steht im Mittelpunkt meiner Arbeit mit Studio Wundermaterial | Konzeption – Kommunikation – Mediation <.
PS: Ideen entwickeln ist auch ein Teil des Mediationsverfahrens. In der sogenannten Lösungsphase unterstütze ich als Mediatorin Menschen dabei, Ideen für nächste Schritte zu ihren Themen zu finden. Den Weg in die Umsetzung findet eine Idee nur, wenn sie von allen mitgetragen werden kann.
PPS: Mit dem Angebot Sparring Aktuelle Kunst habe ich für die Ideenentwicklung durch Kunst ein eigenes Angebot entwickelt. Mehr Informationen dazu gibt es hier.
Und dann ist da noch etwas: Das Beobachten bzw. Bemerken von Ideen, die um mich herum entstehen und ihren Weg in die Umsetzung finden.
Ein Beispiel:
„Blumenstrauß-Automat 24/7“
Der Blumenstrauss-Automat war plötzlich da. Er wohnt sozusagen bei mir um die Ecke, steht leicht erhöht und überdacht. 24/7, Tag und Nacht erreichbar, macht dieses Ding durch sein Dasein Werbung für sich selbst und zeigt, was es verspricht. 10 Fächer, beleuchtet und (vermutlich) gekühlt, 3 Preisstufen, 15Euro, 20Euro, 30 Euro.
Die Sträuße im Display unterscheiden sich optisch nicht. Die Exemplare hinter den Türen variieren dahingegen schon, optisch und im Preis, mit oder ohne für mich direkt ersichtlichen Zusammenhang.
„So holst du dir deinen Blumenstrauss„
- Produkt am Bildschirm auswählen
- Karte oder Handy ans Terminal halten
- Kurz warten, nach circa 3 Sekunden öffnet sich die Tür.
- Tür öffnen (Achtung XXX(auf meinem Foto nicht lesbar; schwer und schließt schnell)
- Blumenstrauß entnehmen
- Prüfen, ob die Tür richtig geschlossen ist.
[Punkt Nr. 6 könnte für die Kühlung interessant- und im Sommer besonders wichtig sein. Blumenläden wird eine Kühlraumtemperatur von von 4-7° für Schnittblumen empfohlen. Frage in meinem Kopf: Wie kalt es wohl in einem dieser Fächer ist?]
Der Blumenstrauß-Automat ist kommunikativ.
„Heute schon jemandem eine Freude gemacht?“, steht da orangefarben hinterlegt, unter dem Display, mittig, ungefähr auf Augenhöhe.
Meine größte Freude ist, wenn es nichts mehr zu sehen gibt, in den beleuchteten Fächern nur noch die abgeflachten und schräg gestellten anthrazitfarbenen Vasen stehen. Die Idee wird angenommen. Läuft, das Geschäft! .
Ich gehe vorbei, beobachte, betrachte, staune. Heute habe ich zum ersten Mal eine kaufinteressiere Person gesehen; aus der Ferne. Es ist wie Fernsehen im öffentlichen Raum für mich.
3 Widersprüche als Teil der Idee
Digital trifft analog:
Kund:innen wählen den gewünschten Strauss über ein Display und zahlen mit Karte, aber öffnen und schließen die Fächer selbst und per Hand. Sie nehmen ein duftendes, vielleicht an den Stielen noch etwas feuchtes Produkt aus der Vase und aus dem Fach. So ganz aus eigenem Antrieb – so sagt es die Wortherkunft- bewegt sich der Automat nicht. Der Mensch mit Blumenstrauß-Kauf-Wunsch arbeitet mit.
Standardisiert trifft individuell:
In einem standardisierten Rahmen, einem Automaten, finden sich individuell gefertigte Produkte: handgebundene Sträuße. Kein Strauss gleicht dem anderen. Farbpalette und Blumensorte variieren vermutlich je nach Jahreszeit und Ladenbestand.
Blumensträuße sind nicht stapelbar. Jeder Strauss hat – und benötig ein eigenes Fach.
Vergänglichkeit trifft Dauer
24/7, scheinbar immer und ohne Unterbrechung hält der Automat frische Schnittblumen vor.
Ein empfindliches Produkt mit einer sehr kurzen Halbwertszeit. Ohne Wasser halten Schnittblumen nur wenige Stunden. Bei idealer Versorgung und Temperatur bis zu 5 Tagen.
Ideen entwickeln, Ideen verstehen heißt auch Fragen stellen.
? Wer könnte wann und aus welchen Gründen Blumen brauchen und für wen?
? Wie geht der Automat mit dem Angebot des Ladens zusammen? (Was ist die Geschäftsidee?)
? Wo sind all diese Sträuße, die bei meinem letzten Blick noch da waren, hingekommen?
? Wer hat sie wann mitgenommen? (Wer ist die Zielgruppe?)
? Wann wird nachgefüllt und wer tut das? Woran sieht der Blumenladen, dass der Automat leer ist? Sieht die Ladenbesitzerin das? Gibt es eine Art Alarmmeldung, eine Kamera? (Wie sind die Prozesse organisiert?)
? Wenn es funktioniert? Wo wären geeignete Standorte? Welche Bedarfe und neuen Zielgruppen gibt es ? (Expansion)
Was ist deine Idee?
Ideen entwickeln mit Blick auf und in Abgrenzung von Ideen, die es schon gibt.
Geldautomaten, Parkautomaten, Passbildautomaten, WC-Automaten, Süßigkeiten-Automaten, Rückgabe-Automaten (in Supermärkten für Getränke und Mehrweggläser oder in Bibliotheken für Bücher)Zigaretten-Auomaten, Glücksautomaten, Kaugummiautomaten, Waschautomaten, Essensautomaten (auch für Wurst und Rindergulasch) gibt es schon.
Was würdest Du in D-einen Automaten tun ? An welchem Standort? Für wen?
[Hier ist Raum __________________________________________________________________________________________________________ für Deine Idee]
Schnittstellen, Add-ons, Anschluss-Ideen:
- Für alle aus und in Essen, der Blumenstrauss-Automat steht hier: Blumenautomat das Pflanzenhaus, Gemarkenstraße 82, 45147 Essen.
- Die Manufaktur „Deutsche Kunstblume Seibnitz“ stellt seit 1834 Kunstblumen in Handarbeit her.
https://tourismus.sebnitz.de/handwerk-und-technik/schaumanufaktur-deutsche-kunstblume-sebnitz
- LEGO® hat mit seiner Botanik-Kollektion eine Idee für zeitlose Blumen im Programm.
https://www.lego.com/de-de/themes/botanicals/about
- Essbare Blüten gibt es von allerlei Anbieter*innen. Hier eine Übersicht von Ökotest:
https://www.oekotest.de/essen-trinken/Essbare-Blueten-Welche-sind-geniessbar-_12039_1.html
- Aiko, 21 Jahre, betreibt Kaugummiautomaten im Nebenverdienst auf Ostfriesland.
- Kunstautomaten gibt es in vielen Städten in Deutschland. Im Format einer Zigarettenschachtel bieten sie künstlerische Ideen zum Mitnehmen.
- Automat : unter Einfluss von französisch automate zu griechisch autómatos = sich selbst bewegend, aus eigenem Antrieb.
https://www.duden.de/rechtschreibung/Automat
- 2 Kunstwerke, die mit dem Thema Ideen zu tun haben:
Bethan Huws: At the base of the brain there is a fountain, 2007.
https://www.artforum.com/events/bethan-huws-4-225294 (artforum, 11/2016, Hans Rudolf Reuss über Bethan Huws)
Ilya und Emilia Kabakow: The Place of Projetcs, 1998.
https://www.kabakov.net/installations/2019/9/14/the-palace-of-projects (Künstler:innen-Website www.kabakov.net)
- Dieses „Tier“, Kunstwerk ist aus Blumen gemacht, mehrere Meter hoch und steht vor dem Guggenheim-Musuem in Bilbao.
Jeff Koons: „Puppy“, 1992.
https://www.guggenheim-bilbao.eus/en/the-collection/works/puppy (Website und Installationsansicht Guggenheim Museum Bilbao)
